Die zweite Nacht in Shangri-La haben die Hunde ein Einsehen mit uns und legen längere Bellpausen ein. So laufen wir einigermaßen ausgeschlafen gegen acht Uhr drei Kilometer entlang des Flusses vorbei an Baugruben und Bauzäunen zum Ticket Office des Yading Nature Reserves. In Yading gibt es drei den Tibetern heilige Berge, von denen der höchste, Chenresig, 6032 Meter in den Himmel ragt. Alle drei sind bislang noch nie bestiegen worden. Tibeter umrunden jedoch gerne den Chenresig oder auch alle drei Berge, womit man sich ihrem Glauben nach große Verdienste erwirbt.

Der Besuch des Yading Nature Reserve ist leider kein Schnäppchen. Für Eintritt und Busfahrten zahlen wir pro Person umgerechnet ca. 30 Euro. Die Busfahrt führt über einen spektakulären Bergpass. Beim Anblick des ersten schneebedeckten Gipfels ertönt ein Raunen durch den Bus. An einer Aussichtsplattform machen wir einen Stopp. Die Chinesen machen Faxen und Fotos vor der wirklich schönen Bergkulisse. Bald darauf erreichen wir den Eingang zum Reserve. Für umgerechnet weitere zehn Euro fahren wir mit einer Art Mini-Tram auf Rädern noch sechs Kilometer weiter bis zum Luorong Grasland auf 4180 Höhenmetern. Die Wanderung hierhin nahe der Asphaltstraße hätte uns viel Zeit gekostet.

Bildergalerie Yading Nature Reserve

Die Aussicht ist fantastisch: Wir blicken auf ein grünes Tal. Durch die Wiesen schlängelt sich ein klarer Bach. Ringsherum stehen schneebedeckte Berge, unten bewaldet, darüber schroffe Felshänge unter blauem Himmel und Schönwetterwolken. Uns juckt es in den Füßen, endlich loszuwandern und das tun wir auch. Wir folgen dem Rundweg um den Chenresig, der Kora. Es geht das Tal hinauf durch saftig grüne Wiesen vorbei an kleinen Steinhäusern inmitten von lila blühenden Sträuchern. Der Weg ist nicht überfüllt, aber es sind einige Wanderer unterwegs. Immer wieder begegnen uns Pferde, die von Tibetern, häufig Frauen, geführt werden. Auf dem Pferderücken sitzen die Leute, denen eine Wanderung auf dieser Höhe zu anstrengend ist. Einige sind direkt aus dem Flachland eingeflogen und haben Dosen mit Sauerstoff mitgebracht.

Der Weg wird immer steiler und dramatischer. Wir klettern den Hang hinauf über glitschige Steine. Gebetsfahnen säumen den Weg. Der Bach liegt jetzt tief unter uns in einer Schlucht. In der Ferne rauschen Wasserfälle die Felsen hinunter. Wir drosseln das Tempo, die Höhenluft macht sich bemerkbar. An exponierten Stellen weht ein starker Wind. Hinter einer kleinen Hügelkuppe offenbart sich der blau schimmernde Milk Lake. Leider verzieht sich die Sonne gerade hinter dichteren Wolken und es wird kalt. Deshalb steigen wir nach kurzer Rast auf schmalen Pfaden den steilen Hang hinauf und erreichen einen Grat, hinter dem sich ein weiterer Bergsee, der Five-Color-Lake, verbirgt. Wenn die Sonne scheint, was sie leider nicht mehr tut, soll sich hier das Licht in verschiedenen Farben brechen.

Auch ohne diesen Effekt sind wir beeindruckt von der Aussicht. Der Großteil der Wanderer macht an diesem Punkt kehrt. Wir gönnen uns aber noch eine Extrarunde und folgen dem Grat in großer Höhe um den Milk Lake. Hier sind wir ganz alleine unterwegs. Es ist nach zwei Uhr und die letzten Pilger, die den Chenresig umrunden, sind längst hinter dem Pass weit vor uns verschwunden. Außer dem Wind und unseren schnaufenden Atemzügen ist kein Geräusch zu vernehmen. Auf der hinteren Seite des Milk Lakes machen wir eine Rast. Von hier aus erkennen wir weit oben das blaue Eis eines Gletschers. Darunter erstreckt sich eine große Moräne und etliche Wasserfälle brausen gen Tal und speisen den weit unter uns liegenden Milk Lake.

Nun ist es auch für uns Zeit für den Rückweg. Bergab geht es schneller, aber wir sind erschöpft und hungrig, als wir schließlich die Tramstation erreichen. Hut ab vor den Pferdeführern, die diese Strecke mehrmals am Tag in hohem Tempo bewältigen. Tram und Bus fahren uns auf kurvigen Straßen zurück nach Shangri-la in die Zivilisation und den Staub. Wir lassen den Tag Revue passieren. In dieser Gegend Tibets haben wir bislang die eindrucksvollste Landschaft erlebt. Die vielen Touristen und die dazugehörige Infrastruktur trüben das Bild. Richtig schön wird es, sobald man sich weiter von den Hauptrouten entfernt. Wir sind etwas traurig, dass wir zu spät aufgebrochen sind, um die Umrundung des Chenresig an einem Tag zu bewältigen, aber vermutlich hätte unsere Kondition für die etwa 12 Stunden Wanderung und 30 Kilometer auch nicht ausgereicht. Wer Zelt und Ausrüstung dabei hat, findet im Yading Reserve auf jeden Fall das Paradies für mehrtägige Trekkingtouren.

Yading National Reserve

Eintritt
Regulär CNY 150, Studenten CNY 80
plus Busfahrt Shangri-La – Eingang Yading Roundtrip: CNY 120

Anreise:

  • Ticket Office: vom Zentrum Shangri-Las ca. 3 km entlang des Flusses Richtung Westen laufen (oder Taxi)
  • vom Ticket Office bei Shangri La mit dem Bus ca. 60 bis 90 Minuten bis zum Eingang des Reserves

Transport im Reserve:

  • Vom Eingang zur Chong Gu Pasture / Monastery: 10 Minuten Fußweg
  • Chong Gu Pasture (4000 m) bis Luorong Pasture (4180 m): Tram 20 Min. (CNY 50/80 one way/return) oder 6 km Fussweg
  • Luorong Pasture (4180 m) bis Milk Lake (4480 m): Pferdereiten 1,5 bis 2 Stunden, an steilen Stellen muss abgestiegen werden (CNY 200-300 return) oder 5 km Fußweg, teils sehr steil

Wandern im Reserve:
Die Kora (Umrundung des Chenresig) ist detailliert beschrieben auf http://www.thelandofsnows.com/yading-sichuan/
Es gibt viele mehrtägige Trekkingmöglichkeiten, eigene Ausrüstung ist erforderlich.

Verpflegung:

  • Chong Gu Pasture: Snacks und Getränke
  • Luorong Pasture: Restaurant