Windpferd und Fischsauce

unterwegs zwischen Himalaya und Pazifik

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Tibet, wir kommen!

Jede Stunde macht sich ein Bus auf den beschwerlichen Weg von Chengdu im schwülen diesigen Sichuan-Becken ins kühle Kangding, dem Tor nach Tibet in der Kham-Region. Heute um 11 Uhr fährt er mit uns, wir sitzen auf dem Ehrenplatz in der ersten Reihe rechts mit einer Top-Aussicht nach vorne. Die Fahrt soll laut verschiedener Quellen zwischen sieben und zehn Stunden dauern. Wir fragen noch einmal die Dame am Ticketschalter, die uns erst nicht versteht, dann aber etwas von 4 bis 5 Stunden murmelt. Das sind ja mal gute Nachrichten, vermutlich wurde der Sichuan-Tibet Highway inzwischen weiter ausgebaut, so denken wir.

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Die ersten Stunden fahren wir auf der Autobahn durch Reisfelder und Orangenplantagen. Auch Industrie gibt es und Bodenschätze werden abgebaut. Bald erreichen wir die ersten Ausläufer des Himalayas. Die recht neue Autobahn durchquert das schwierige Gelände fast ausschließlich auf hohen Brücken, Galerien entlang von Steilhängen und durch lange Tunnel. Der teuere Bau wird mit einer hohen Maut gegenfinanziert. Wir kommen schnell voran und Sven träumt schon von Kaffee und Kuchen am Nachmittag in Kangding. Doch Pustekuchen, nach drei Stunden Fahrt endet die Autobahn und wir schlängeln uns auf engen Straßen durch enge Täler, teils hoch über dem Fluss. Eine Kolonne von über einhundert Armeefahrzeugen ist ebenfalls in Richtung Tibet unterwegs. Mühsam überholen wir eines nach dem anderen, bis wir nach einer Pinkel- und Essenspause von vorne anfangen.

Kaum noch ein Fleckchen hier ist naturbelassen. Der Flusslauf ist größtenteils einbetoniert und eine Staustufe mit Kraftwerk folgt der nächsten, die Hänge sind mit viel Beton gegen Abrutschen gesichert. Wir passieren völlig verrostete Industrie- und Bergbauanlagen. Trostlose Städte säumen den Fluss mit teils unvollendeten Hochhäusern und Siedlungen am Hang ohne feste Straßen. Aus dem Flussbett, das in dieser Jahreszeit teils trocken liegt, werden Sand, Kies und Steine als Baumaterialien entnommen und gesiebt, Staub liegt in der Luft und wir haben langsam Angst, in Sichuan keine Natur und klare Bergluft zu erleben. Wir geraten in einen Stau. Nichts geht mehr und alle steigen aus den Bussen und Autos aus. Ein Stauende ist nicht zu erkennen, dafür ein paar traditionelle Holzhäuser über einem staubigen Tal und ein großes Wasserkraftwerk am Horizont. Zwanzig Minuten später geht es weiter, aber es dauert, bis alle wieder eingestiegen sind und sich der Stau auflöst. Wir passieren zwei verkeilte Fahrzeuge, die Ursache für den Stau.

Immer weiter schrauben wir uns die Berge hinauf und kommen durch ein Erholungsgebiet mit naturbelassener Landschaft, bis wir endlich nach über acht langen Stunden Fahrt gegen halb acht in den Busbahnhof am Rande von Kangding einfahren. Auf den zweiten Kaffee muss Sven heute wohl verzichten. Wir steigen aus dem stickigen Bus und inhalieren die kühle Abendluft. Es ist bewölkt, aber nicht mehr so diesig, wie zuvor. Wir laufen zwei Kilometer am Fluss entlang in die Innenstadt und ächzen unter unserem Gepäck. Auf etwa 2600 Höhenmetern japsen wir nach Luft. Dicht an dicht stehen die Häuser mit teils über 15 Stockwerken. Jeder Quadratmeter im Tal wird genutzt, aber wenn wir nach oben schauen, sehen wir grün bewaldete Berghänge. In einem Hostel mit netten tibetischen Inhabern bekommen wir einen Tee angeboten und beziehen ein Zimmer mit tibetischen Malereien. Leider zeigt unser Thermometer drinnen nur ungemütliche 16 Grad, da das Zimmer auf der Nordseite liegt, aber daran werden wir uns wohl gewöhnen müssen. Wir freuen uns, hier in Kangding die nächsten Tage erstmals tibetische Kultur zu erleben und schöne Bergwanderungen zu unternehmen.

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  1. Sarah und Thomas

    Sind gespannt auf Fotos! lalalalalala

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