Windpferd und Fischsauce

unterwegs zwischen Himalaya und Pazifik

Schlagwort: Altstadt

Jianshui 建水县, eine gemütliche Kleinstadt und ihre touristischen Schwalben

Nach der Großstadt Kunming ist Jianshui auf den ersten Blick eine Wohltat. Nach kurzen 200 km gen Süden und dreieinhalb Stunden Fahrt werden wir am kleinen Busbahnhof der Stadt von Songtheaw ähnlichen Fahrzeugen in Empfang genommen. Die Fahrer sitzen entspannt auf ihrem Wagen in der Nachmittagssonne und bieten uns ihre Dienste an. Wie so oft gehen wir mit einem „bu schischié“ (nein danke) an ihnen vorbei, um uns Raum und Luft zu verschaffen. Wir haben Glück, auf der anderen Straßenseite hält gerade ein Stadtbus, der Richtung Altstadt fährt. So einfach kann es manchmal gehen. Wir fahren vorbei an alten, zum Teil heruntergekommenen kleinen Holzhäusern, deren Farbe an der Fassade schon lange verblasst ist. Die autofreie Altstadt von Jianshui mit ihren verwinkelten Gassen wirkt auf den ersten Blick gemütlich und ist noch nicht ganz so auf Hochglanz poliert wie Lijiang und Shangri-La. Touristen sehen wir kaum. Doch der Schein trügt, denn es ist mitten in der Woche.

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Lijiang – Altstadt-Disneyland

Einige Male haben wir in China umsonst auf einen Bus gewartet, ein Bus war voll oder ein Minibus wollte nicht losfahren, weil zu wenige Fahrgäste mitwollten. Zu drei Stunden Fahrt kamen oft noch drei Stunden Wartezeit, ganz abgesehen von dem Stress der Ungewissheit. Heute hingegen klappt alles wie am Schnürchen. Zu einem fairen Preis werden wir mit dem Minivan unseres Guesthouses nach Lijiang gefahren, gemeinsam mit zwei anderen Gästen, und dort sogar vor der Tür unseres vorausgebuchten Hostels, dem October Inn, abgesetzt. Der Nachmittag verläuft entspannt. Wir essen in einem kleinen Restaurant Schwein mit Bitter Gourd sowie Kohl süß-sauer, erkunden die nähere Umgebung und machen die üblichen Besorgungen im Supermarkt. Die Besichtigung der berühmten Altstadt veschieben wir auf den nächsten Tag, der Rest der Stadt wirkt sauber und aufgeräumt.

Abends kocht unser Herbergsvater für seine acht Gäste ebensoviele Gerichte. Schwein mit Paprika und Zucchini, gekochte Tomaten und Zucchini, dicke Glasnudeln mit Möhren und Essig, intensiv gewürzte Auberginen, Tofu mit Paprika, gekochte Pilze, Gurkensalat mit Zucker und eine Riesenschüssel Reis. Es gibt zwar keinen runden Tisch mit Drehplatte, aber das Prizip bleibt dasselbe: Jeder kann alles probieren, alles schmeckt vorzüglich und alle werden pappsatt. Eine buntgemischte Runde sitzt hier zusammen: Ein Pärchen aus Australien auf einer neunmonatigen Weltreise plant einen Besuch in Europa. Eine Frau aus Hong Kong war bereits in Deutschland und Frankreich, am meisten hat sie jedoch Schweden beeindruckt. Ebenfalls nach Schweden möchte eine junge Chinesin reisen, um ein Praktikum in einem Hostel zu machen. Ein junger Mann aus Java hat Angst vor Malaria in China. Eine Französin hat ein Auslandsjahr in Peking hinter sich und einige Worte Chinesisch gelernt, eine zweite Französin riecht nach Knoblauch, da sie unseren Koch zuvor tatkräftig beim Schnippeln und Wok umrühren unterstützt hat. Alle Gäste kommen entweder von der Tiger Leaping Gorge oder wollen am nächsten Tag dorthin. Wir spendieren unsere nicht abgerissenen Eintrittskarten und eine Landkarte, bevor wir müde ins Bett fallen.

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