Mit unseren staubigen Rucksäcken stehen wir am Busbahnhof in Shangri-La. Wir haben uns bereits ein Guesthouse herausgesucht, das ‚Kevin´s Trekker Inn‘, jedoch kein Zimmer vorreserviert. Mit dem Stadtbus fahren wir zum Rande der Altstadt, von wo aus wir noch einen Hügel hinauflaufen müssen. Leider ist das Guesthouse voll belegt und so übernachten wir in einem günstigen Hotel nebenan. Hier funktionieren jedoch weder Leitungswasser noch Internet, so dass wir am nächsten Morgen wieder bei Kevin vor der Tür stehen. Glück gehabt. Eines der schönsten Zimmer mit Terrasse und Rundumblick auf die Stadt wird gerade frei. Weil wir einige Tage hier bleiben wollen, erhalten wir einen großzügigen Rabatt.

Fotostrecke Shangri-La (Yunnan)

Die Besitzer erklären uns, dass es in Shangri-La Leitungswasser nur sehr unregelmäßig gibt. Sie würden jedoch täglich Wasser mit ihrem SUV heranschaffen. Tatsächlich sitzen wir während unseres gesamten Aufenthaltes nicht einmal auf dem Trockenen. Einzig das Wetter spielt nicht mehr so richtig mit. Die warmen trockenen Tage mit blauem Himmel sind vorbei. Es ist empfindlich kühl geworden und die Sonne zeigt sich kaum noch. Unser Raum ist schlecht isoliert und kühlt sich morgens auf etwa 15 Grad ab. Mit heißem Tee, Kaffee und Gedanken an das südliche Yunnan, wohin uns unsere weitere Route führen wird, trösten wir uns darüber hinweg.

Shangri-La ist eine Großstadt mit etwa 130.000 Einwohnern. Die Haupt-Touristenattraktion war die Altstadt, die im Januar 2014 zu zwei Dritteln abgebrannt ist. Ursache war angeblich ein Heizlüfter, der vergessen wurde, abzuschalten. Eine Gardine fing Feuer und das Unglück nahm seinen Lauf. Holzhäuser standen dicht an dicht, das Wasser in den Hydranten war eingefroren und so konnte das Feuer stundenlang toben. Inzwischen erklingen von überall her Hammerschläge und Motorsägen. Im traditionellen Stil wird die Altstadt gerade wieder aufgebaut. Kunstvolle Dekorationselemente werden geschnitzt, Holzgeruch liegt in der Luft.

Es ist Abend und wir sehen am Rande der Altstadt auf einem Hügel einen riesigen beleuchteten goldenen Zylinder, eine überdimensionierte Gebetsmühle neben zwei Tempelgebäuden. Der Hügel ist vom Feuer verschont geblieben. Wir steigen die Treppe hinauf und reihen uns zwischen Mönchen, Anwohnern und chinesischen Touristen ein, um gemeinsam das große Rad in Schwung zu halten. Am Fuße der Treppe befindet sich der zentrale Stadtplatz, wo – wer ahnt es bereits? – zu tibetischer Musik getanzt wird.

Die nächsten Tage beantragen wir die Verlängerung unseres China-Visums um einen weiteren Monat, wandern auf die umliegenden Hügel mit Aussicht auf die Stadt und schlendern über einen fantastischen Markt, wo es von lebenden Tieren über Obst und Gemüse bis zu frisch produziertem Käse und Joghurt alles gibt. Abends wird geschlemmt. Neben unseren Stammgerichten probieren wir Momos mit Gemüsefüllung, scharfen Gurkensalat, gedünsteten Broccoli und Schwein mit scharfem Gemüse, welches in einer Brühe schwimmt, in die mindestens ein halber Liter Öl gekippt wurde.

Shangri-La ist unsere letzte Station im tibetischen Teil Chinas. Wir steigen auf einen Hügel und schauen auf ein Meer von Gebetsflaggen. Die weiten Landschaften Tibets, die schneebedeckten Berggipfel und die freundlichen Menschen werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Nur mit der tibetischen Küche konnten wir uns, abgesehen vom Brot, nicht wirklich anfreunden, aber Sichuan-Gerichte waren praktisch überall verfügbar. Zum Abschied von Tibet kaufen wir eine Schnur mit Gebetsfahnen, die wir an irgendeinem schönen Ort auf unserer weiteren Reise aufhängen werden.