Windpferd und Fischsauce

unterwegs zwischen Himalaya und Pazifik

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Leckereien aus Südwest-China – Heute wird geschlemmt!

Wer hätte es gedacht? Das Reich der Mitte ist riesig und vielfältig – so auch das Essen. Wir stoßen im Südwesten Chinas auf die weit verbreitete Sichuan-Küche: scharf, intensiv und vielfältig soll sie sein. Getrocknete Chili-Schoten, chinesischer Blütenpfeffer (auch bekannt als Sichuanpfeffer) und schwarzer Pfeffer sind unverzichtbare Bestandteile in jedem Gericht und werden fein aufeinander abgestimmt. Eine Besonderheit des Sichuanpfeffers ist seine betäubende Wirkung – ein seltsames Gefühl im Mund. Wer ihn einmal gegessen hat, liebt ihn oder sortiert ab sofort die Pfefferkörner fein säuberlich mit den Stäbchen einzeln aus dem Essen.

Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Essen bestellen ist vor allem aufgrund unserer schmalen Chinesisch-Kenntnisse ein wiederkehrendes Abenteuer. Während wir bislang in anderen Ländern meist ohne Probleme auf englisch Gerichte bestellen konnten, sitzen wir in den ersten zwei Wochen unserer Chinareise oft ratlos vor den chinesischen Zeichen in der Menu-Karte. Morgens, mittags, abends nur Reis essen? Es geht auch anders, nur Mut.

Mittags zwischen Momos und scharfer Nudelsuppe

Eine Süppchen zur Mittagszeit? Nudelsuppen werden für ca. 10RMB an jeder Ecke frisch zubereitet und liebend gern von den Chinesen auch in Form von 5-Minuten-Terrinen unterwegs im Bus, Zug oder auf der Straße verzehrt. Heißes Wasser ist für die teeliebende Nation überall vorhanden. Die Suppe nach Sichuan-Art ist jedoch besonders. Diese beinhaltet den scharfen Sichuanpfeffer, Chili, viel Knoblauch, selbstgemachte Eiernudeln und wenig Gemüse. Wer Fleisch bestellt, muss sich ggf. auch auf ein paar Knochensplitter gefasst machen.
Eine leckere Alternative sind Momos མོག་མོག་ (ca. 20-30RMB). Die mit Yak-Fleisch, Kartoffeln oder Gemüse gefüllten und anschließend gedämpften, gekochten oder frittierten Teigtaschen sind in Tibet und Nepal verbreitet. Das chinesische Äquivalent dazu sind jaozi 水餃 (engl. als dumpling bekannt) mit einem relativ ähnlichen Geschmack – lecker und sehr sättigend! Beide Versionen werden mit einem Dip serviert.
Die deutsche Backkunst mit dem guten Vollkornbrot vermissen viele Reisende, so auch wir. In chinesischen Bäckereien haben wir bislang vor allem eines gefunden: alles, was süß, weich und klebrig ist. In Tibet gibt es jedoch das sog. Balep, eine Art Fladenbrot aus Gerstenmehl – eine gute Alternative zu den Reis-Nudel-Gerichten!

Wie in anderen Ländern, z.B. Thailand, gibt es auch in China Gerichte, die fast jedes noch so kleine Restaurant zubereiten kann, bei denen keiner Angst haben muss, sich den Magen zu verderben. Es handelt sich um gebratenen Reis oder Nudeln mit Ei und einem Hauch an Gemüse, die mit Sojasauce und Geschmacksverstärker gewürzt sind. Doch wer an den vielen Tellern auf den runden Tischen vorbeiläuft, möchte kein „Touri-Essen“.
Ha, wir sind vorbereitet, denke ich, denn im Vorfeld hatte ich einzelne Wörter, wie Gemüse, Reis und Huhn, aufgeschrieben und lese sie nun holprig im kleinen Straßenrestaurant vor. Die Bedienung schaut uns fragend an und redet wenige Sekunden später energisch auf uns ein. Offenbar hat sie kein Wort verstanden oder empfiehlt uns gerade die leckersten Gerichte des Küchenchefs mit genau diesen Zutaten. Erst als ein Gast uns zur Hilfe eilt, um auf englisch zu vermitteln, erhalten wir einen vorzüglichen Gaumenschmaus. Eine einfachere und von uns bevorzugte Variante ist es, sich eines der wenigen kleinen Restaurants mit einem Foto-Menu zu suchen. Auch wenn nicht immer die Zutaten auf den Bildern zu erkennen sind, ist der Anfang der Kommunikation leichter.

Abendlicher Hochgenuss – die Sichuan-Küche

Wenn alle Stricke reißen, hilft auch die Zeigetechnik. Voraussetzung ist, dass andere Gäste ansprechende Gerichte auf dem Tisch stehen haben, auf die man zeigen kann. Vorsicht ist aber auch hier geboten. Wir haben dadurch auch schon mal die Spezialität „scharfe Innereien mit Gemüse“ erhalten. In vielen Restaurants im südlichen Sichuan ist dagegen eine große gekühlte, beleuchtete „Vitrine“ mit Fleisch und Gemüse vorhanden, also einfach auf die Zutaten zeigen und sich überraschen lassen, wie es zubereitet wird. Im Laufe der letzten fünf Wochen haben wir auf diese Weise mit wenigen Ausnahmen viele leckere Erfahrungen machen können. Hier eine kleine Auswahl der Klassiker:

辣椒炒的牛肉 Rindfleisch mit Chili, etwas Knoblauch – eines der besten Essen, das wir hatten! ca. 40RMB

宫保鸡丁 (Gong pao ji rou) – ein Klassiker! Hähnchenstreifen mit vielen Erdnüssen, Gurken und Chili werden leicht süßlich-scharf serviert, ca. 40RMB

青椒肉丝 (Qing jiao rou si) Grüne Paprika mit Schweinestreifen, auch mal einem ordentlichen Fettrand, oft mit viel Knoblauch, ca. 25RMB

Für alle 素 vegetarischen Gourmets:

Vegetarische Gerichte sind mit ca. 15 RMB wesentlich günstiger als mit Fleisch. Traditionell wird nur eine Gemüsesorte pro Gericht verwendet, weshalb es manchmal zu „Wirklich? Ich glaube nicht, dass das passt“ -Aussagen kommen kann, wenn wir eher mediterran anmutende Tomaten und Zucchini in einem Gericht haben wollten. Hier eine Auswahl an vegetarischen Gerichten:

  • 麻婆豆腐 (Mapo dofu) – Scharfer Tofu à la Sichuan-Art ist ein sehr weicher Tofu, der auf der Zunge zergeht. Eine Spezialität aus Sichuan mit viel Sichuan-Pfeffer und etwas Chili in Öl – eindeutig Geschmackssache!
  • 酸甜白菜 (Tang cu lian bai) – Süß-saurer Kohl, gebraten oder gedünstet, manchmal mit Chili
  • Chinesischer Broccoli mit Knoblauch
  • 黄瓜 Scharfer, kalter Gurkensalat mit Knoblauch mit Chili – lecker!
  • und vieles mehr 中国西兰花 Broccoli, 菜花 Blumenkohl, 苦瓜 Bittergurke, 辣椒 rote/grüne Paprika, 菠菜 Blattspinat, diverse Kohlsorten… meist mit Knoblauch, Sojasauce und Chili

Fazit:

  • Dank einer kleinen übersetzten Speisekarte mit typischen Sichuan-Gerichten und nicht zuletzt dank der „Vitrinen“-Kultur haben wir viele Leckereien testen können und dabei wenig Fehlgriffe gehabt. Die spannenden Alltagsfragen über die Zutaten (was mag das wohl in der Speisekarte heißen?), die Zubereitung (werden die bestellten Momos jetzt im Wasser gekocht oder doch in einem Liter Öl frittiert?) und den Geschmack (ob das mit dem betäubenden Sichuan-Pfeffer gewürzt wird?) tauchen trotzdem immer wieder auf. Bei jeder Bestellung sollte man sich vorher nach dem Preis erkundigen 多少钱 ? (Duōshǎo qián – Wie teuer ist das?), vor allem, wenn man sich in einem Touri-Ort befindet, sonst könnte es am Ende eine Überraschung geben.
  • Knoblauch wird scheinbar häufig nicht als Gewürz, sondern als Gemüse angesehen!
  • Das Gericht „Chop suey“ sucht der Reisende in China vergeblich, es ist typisch für die chinesische „Übersee-Küche“.
  • Zu jedem Gericht wird kostenlos grüner Tee gereicht und immer wieder mit heißem Wasser aufgegossen, sobald es leer ist! Warum nicht auch in Deutschland?
  • Und zuletzt noch: China eignet sich hervorragend für Vegetarier, vor allem wer Tofu mag, bekommt es in vielen Variationen, ob eingelegt, gegrillt, frittiert, butterweich gegart etc. Allerdings sind in jedem (!) Gericht Geschmacksverstärker enthalten, manchmal mehr, manchmal weniger.

* Währung: 7 RMB entspricht ca. 1 €

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  1. Sarah und Thomas

    Liebste Kathi, da wir an deinem Geburtstag einen 10-stündigen Grenzübertritt hinter uns gebracht haben und erst 23 Uhr in Kosh-Agatsch eingetroffen sind, gibt es erst heute nachträglich, davür mit den allerbesten Reisewünschen unsere Glü kwünsche zum Geburtstag! Ihr schlemmt bestimmt so richtig, wa? Sind ganz neidisch… Knutschi

    • Kathi

      Dankeschön! :-) Hauptsache ihr habt die Grenze passieren können. Ja, in Laos geht das Schlemmen weiter, Mangosteen, Papaya, Lansat – mmmh…

  2. Giesela u. Günther Vierks

    Hallo Kathi, wir wünschen Dir noch nachträglich alles Gute, Gesundheit und eine weitere gute Reise.

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