Bislang sind wir fünf Wochen durch China gereist, haben viel gesehen und entdeckt, mit Bus, Zug oder per Pedes mehrere Tausend Höhenmeter überwunden. Die Industriestadt Kunming liegt immerhin „nur“ noch auf der 2000m hohen Yunnan-Ebene, wodurch ganzjährig milde Temperaturen vorherrschen. Es ist sehr angenehm, nicht zu heiß, nicht zu kalt. Auch der Langzeitreisende braucht ab und zu eine Pause. Wir sind vor allem von den langen Busfahrten „reisemüde“ geworden und sehnen uns nach einem entspannten Ort zum Verweilen. Zwar klingt eine Stadt mit rund sieben Millionen Einwohnern nicht gerade ideal dafür, doch die vielen Parks in der Stadt stimmen uns optimistisch. Endlich wieder mit einem Buch auf dem Rasen liegen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen…

Kunming empfängt uns tatsächlich mit einem sattblauen Himmel und viel Verkehr. Beton in Form von Schnellstraßen soweit das Auge reicht. Wo sind die Parks? Die Stadt wächst schnell. Während in der Innenstadt eine moderne Fußgängerzone mit glücksbringenden Goldfischteichen, Sitzbänken unter Bambushainen und zahlreichen Shoppingsmalls zu finden ist, breiten sich die Hochhausklopper gen Süden zum großen Dian-See aus. Wie in anderen chinesischen Städten verschwinden nach und nach die alten niedrigen Häuser in der Innenstadt, deren schmutzige Fassaden einen eigenen Charme besitzen. So ist beispielsweise von dem muslimischen Viertel mit seinen einst trubeligen Gassen und zahlreichen Essensständen nur noch ein kleiner Innenhof zwischen gläsernen Wolkenkratzern übrig geblieben.

Zum Sonnenuntergang machen wir uns auf zu dem naheliegenden Daguan-Park. Hätten wir das gewusst! Hier treiben viele Chinesen Sport, auch wenn es meist eher im Schritttempo vonstatten geht. Aber dann das, der Eintritt in den Park kostet etwas. Wir zücken unsere in Bangkok erworbenen Studentenausweise, erhalten einen Rabatt und schließen uns dem gemächlichen Spaziergang der Chinesen an. Unsere Sportkleidung bleibt also wieder im Rucksack. Auch am nächsten Tag zeigt sich, dass Chinesen ihre Parks lieben – zum Schlendern, Fotografieren, zum Tee trinken und Karten spielen – nur eines fehlt: Liegewiesen. Dafür hat jeder Park mindestens eine große Wasserfläche. Schnell stellt sich heraus: Kunming ist nicht der Ort, um länger zu verweilen. Weiter geht es Richtung Süden.

Fotostrecke Kunming