Wer nachts aus dem Bus in Jinghong aussteigt, dem schwallt feucht-heiße Luft entgegen. Willkommen in der tropischen Region Xishuangbanna, im südwestlichsten Zipfel Chinas! Die tropischen Temperaturen sind der Stadt anzumerken, nicht nur hinsichtlich der Temperatur. Sie wirkt bunter als andere Städte Chinas. Han-Chinesen, Dai- und andere Minderheiten leben hier zusammen. Die Gebäudefassaden haben einen farbigen Anstrich, in den Straßen wurden Palmen und andere reich blühende Bäume gepflanzt. Obststände, mobile Garküchen und Barbecue-Stände säumen die Gehwege. Der Geruch von gegrilltem Hähnchen liegt in der Luft, Dressing für Papaya-Salat wird gestampft und Nudelsuppe serviert. Unsere Vorfreude auf Laos und Thailand wächst. Zwischen all dem „tropischen Traum“ stehen dann hier und da gesichtslose, monotone Hochhaus-Komplexe, die nachts bunt blinken. Wir sind eben doch noch in China.

Fotostrecke Jinghong

Viel passiert nicht. Während andere Reisende in Jinghong viel Geld für Trekking und Kulturshows in umliegenden Minderheiten-Dörfern ausgeben, nutzen wir gezwungenermaßen die Zeit in der Stadt zum Recherchieren, Schreiben und gesund werden. Am Ende unserer China-Zeit hat es uns dann doch erwischt.

Zeit zum Beobachten bleibt uns dennoch: Wir haben Ende Juni und eigentlich ist Regenzeit, doch dieses Jahr lässt sie auf sich warten. Der Mekong ist im Bereich der Stadt recht schmal geworden. Fischer müssen bis fast in die Mitte des teils ausgetrockneten Flussbettes waten, um ihre Angel zu setzen und die vielen Moped-Fahrer fahren zur Wäsche ihres fahrbaren Untersatzes ebenso weit hinaus. Ans Wasser ist nur schwer zu kommen. Die befestigte Uferpromenade liegt weit oberhalb des Flusses und lässt erahnen, wie viel Wasser der Fluss aufnehmen kann.