12. August 2015 – Der Weg von Mandalay Richtung Nordosten bis ins kleine Örtchen Hsipaw führt auf holprigen Straßen durch eine tiefe Schlucht, die sich plötzlich vor uns eröffnet. Rechter Hand bestaunen wir das 250m hohe Goteik-Viadukt, über das der Zug aus Mandalay tuckert. Die meisten Touristen nehmen die 12stündige Fahrt extra auf sich, um die höchste Brücke des Landes, um 1900 erbaut, zu sehen. Wir hingegen sitzen diesmal im Bus, um Zeit zu sparen.
Hsipaw ist zwar bei Wanderfreunden beliebt, aber nicht überlaufen. Das Besondere des Ortes liegt in seiner Ruhe.

Abgesehen von den Wanderungen gibt es dann doch noch ein Touristenhighlight, das liebevoll „Little Bagan“ genannt wird. Im Gegensatz zu dem „großen“ Bagan liegen die kleinen, z.T. zerfallenen Tempel verstreut zwischen Wohngebäuden. Es wirkt dadurch familiär, eben wie ein Tempeldorf.

Auf dem Markt
Die Burmesen sind Frühaufsteher. Bereits zum Sonnenaufgang sind viele auf den Beinen. Wer später gegen halb acht aus dem Bett schlüpft und durch die noch angenehm kühl-feuchte Luft zum naheliegenden Morgenmarkt am Fluss schlendert, kann die besondere Atmosphäre gerade noch einfangen.
Seit dem Morgengrauen zieht eine Gruppe junger Kindernonnen, begleitet von zwei älteren Nonnen, singend über den Markt. Alle tragen das für Myanmar typische rosafarbene Gewand. Von den Marktfrauen erhalten sie eine Schale gekochten Reis und andere Lebensmittel. Im Buddhismus wird dies nicht als Betteln angesehen, die Spender erhalten durch die Opfergabe ein gutes Karma. Der Gesang der Mädchen klingt melancholisch und traurig. Die Stimmen berühren mich. Kurzweilig vergesse ich meine Suche nach einer frischen Papaya für das Frühstück. Es gibt Momente, in denen der Reisende nur Beobachter ist und die Kamera in der Tasche lässt, um nicht zu stören. Dies ist ein solcher Moment. Er ist zu intim, zu fragil.
Und dann entdecke ich endlich die goldgelben Farbkleckse zwischen Kohl, Ingwer und Bananen: kleine, teilweise etwas runzelige Papayas, von denen die Hälfte schon angefault ist. Die ältere Marktfrau mit ihrem schulterbreiten geflochtenen Hut strahlt mich aus ihrem von Falten übersäten Gesicht an, als sie den Preis nennt. Schon wieder bekomme ich einen Ausländerpreis und an handeln ist in Myanmar kaum zu denken. In der Hoffnung, dass sie nun die glücklichste Marktfrau des Tages ist, gebe ich ihr lächelnd das Geld.
Als ich zurück komme, ist mal wieder der Strom weg. Wie im ganzen Land kann es täglich zu solchen Ausfällen kommen, was uns meist nicht stört. Als es nachts plötzlich dunkel und heiß im Zimmer wird, schleichen wir uns auf die Dachterrasse. Alles ist in ein schwarzes Licht gehüllt. Die ganze Stadt hat offenbar keinen Strom. Nur über uns funkeln die Sterne.

Im Mopedfieber
Doch es gibt noch mehr zu entdecken: während andere Reisende ihre Wandertouren buchen, erkunden wir mit dem Moped die Umgebung. Startpunkt ist der kleine chinesische Friedhof. China ist nicht weit und spreizt seine Finger immer weiter Richtung Myanmar. Chinesische Produkte, Autobahnen und Geschäftsmänner, vieles kommt in Burma aus dem großen Nachbarland. Hier im burmesischen Shan-Staat, der an China, Thailand und Laos grenzt, sind die Shan die größte Volksgruppe. Wie auch in anderen Bereichen des Landes ist der Wunsch nach Unabhängigkeit in der Vergangenheit groß gewesen und bei einigen noch vorhanden. Nach mehreren Auseinandersetzungen wurde ein Friedensvertrag mit der burmesischen Regierung unterzeichnet, rebellische Aktionen und Vertreibungen sind jedoch immer noch an der Tagesordnung. So wurde beispielsweise die Verbindungsstraße von Hsipaw in eine Nachbarstadt für Ausländer gesperrt, weil dort Rebellen aktiv seien.
Für uns geht es mit dem Moped raus aus der Stadt, vorbei an Straßenkontrollen, die sich für uns nicht interessieren, über schlammige Pfade zu einem Wasserfall. Wir sind nicht die einzigen: eine Gruppe junger Locals liegt bereits im Schatten und picknickt. Wir lassen uns in einiger Entfernung am Wasser nieder. Sobald wir entdeckt werden, stürmt ein Teil der Gruppe voll bekleidet den Wasserfall hinauf und löchert uns mit Fragen. Die Ruhe am Wasser ist somit dahin.

Am nächsten Tag werde ich krank. Sven erwischt es einen Tag später. Hsipaw wird für uns zu einem Ort, an dem wir uns gegenseitig aufpäppeln und abwechselnd gegen nächtliches Fieber kämpfen. Wanderungen sind vorerst auf Eis gelegt. Zum Glück ist das Nötigste, was man braucht, in dem Ort vorhanden. Doch richtig auskurieren können wir uns nicht. Unser Visum läuft in ein paar Tagen aus und der Flug von Mandalay nach Kuala Lumpur steht bevor. Wir gönnen uns ein teures „shared taxi“, das wir mit anderen Fahrgästen teilen, um rechtzeitig in der Großstadt zu sein. Das sogenannte Taxi bringt uns am Ende zwar bis vor unsere Unterkunft, schneller sind wir jedoch nicht. Was wir am Anfang der Fahrt nicht wussten, dass der Fahrer zusätzlich noch als Postbote fungiert und Pakete sowie Briefe auf dem Weg nach Mandalay ausliefert. Da kann es schon mal vorkommen, dass die angegebene Adresse nicht bekannt ist und wir mehrmals im Kreis fahren.