Bangkok ist heiß. Bangkok im April ist supersaunaheiß. Diese Woche hat das Thermometer an der 40-Grad-Marke geknabbert. Zeit also für Entspannung in einem schattigen Café, mit einem guten Buch und einem Fruchtshake mit viel Eis. Oder wie wäre es mit einer Shopping-Tour in einem der unzähligen riesigen klimatisierten Shopping-Center? Nicht doch, denken sich Kathi und Sven, wie langweilig, das kann jeder. Wir tun etwas für unsere Fitness und gehen laufen.

Leider sind in Bangkok Parkanlagen, die wesentlich größer sind als der heimische Vorgarten, rar gesät und meist weit entfernt vom Backpacker-Ghetto um die Khao San Road. Auf der gegenüberliegenden Seite des Chao-Phraya-Flusses, in Sichtweite des Phra Sumen Forts, wo wir abends gerne am Fluss sitzen, bewegen sich jedoch regelmäßig ab Einsetzen der Dämmerung, wenn die Temperatur auf gefühlte 35 Grad gesunken ist, einige Gestalten vor einem grünem Hintergrund.

Unser Entdeckerdrang ist geweckt und so ziehen wir uns um und traben schnaufend durch enge Gassen und dichten Verkehr zur nächstgelegenen Brücke. Auf der nicht enden wollenden Treppe hinauf heisst es Luft anhalten, eine öffentliche Toilette ist dagegen ein Luftkurort. Oben weht endlich wieder ein Lüftchentief einatmen und die Abgase der neben uns auf sechs Fahrspuren über den Fluss bretternden Busse und Autos inhalieren. Aber die Aussicht ist schön, die untergehende Sonne spiegelt sich im Wasser und Schleppkähne ziehen so etwas wie Container in Reihe den Fluss hinauf.

Weiter gehts durch ein typisches Wohnviertel, grüne Schilder mit Fahrrad- und Fußgänger-Symbolen weisen uns den Weg durch das Gassengewirr. Brutzelnde Garküchen am Straßenrand verströmen einen würzigen Duft. Gelegentlich müssen wir stoppen, weil ein Lieferwagen nicht um die Ecke kommt und die Kreuzung blockiert. Wir durchqueren eine kleine Tempelanlage und werden von einem Rudel Straßenhunde begrüßt und beknurrt. Wenig später erreichen wir unser Ziel, wir nennen es denJoggingpark”.

Auf den Wegen entlang bunt beleuchteter Pavillons und Rasenflächen am Flussufer sind einige Läufer und Spaziergänger in Laufkleidung unterwegs, letztere in deutlicher Überzahl, was angesichts der Temperatur durchaus nachvollziehbar ist. Weiß blühende Bäume betören uns mit ihrem süßen schweren Duft. Vom Fluss her erreicht uns eine schwache Brise, die uns Kraft schenkt für zwei Runden durch den Park.

Die Rama-VIII-Brücke direkt nebenan beeindruckt uns mit ihrem hohen Pylon und ihren Stahlseilen. Unter der Brücke kreisen Skater zu lauten Beats, die aus großen Boxen schallen. Und wieder heisst es, Treppenstufen zu erklimmen, um zurück zum heimischen Flussufer zu gelangen. Inzwischen fühlt sich mein T Shirt so an, wie zum Songkran (thailändisches Neujahrs- und Wasserfest), nachdem es einen Eimer Wasser über die Mütze gab und ich denke mir, dass ein Fruchtshake mit Eis im Café doch gar nicht so langweilig gewesen wäre

Um nicht auf der Hauptstraße zurücklaufen zu müssen, schlagen wir uns parallel zum Fluss durch kleine Gassen Richtung Süden. Wir müssen einige Sackgassen wieder zurücklaufen, finden aber schließlich den Weg zum Phra Sumen Fort. Wieder auf wohlbekanntem Terrain laufen wir den schmalen Promenadenweg (ab 20 Uhr gesperrt) entlang des Flusses und passieren den Fähranleger. Die Aussicht auf eine lange kalte Dusche, die Klimaanlage in unserem Zimmer und trockene Kleidung treiben uns an und bald erreichen wir erschöpft, aber glücklich unser Guesthouse.

Conclusion:

  • Auch in den Tropen bei über 30 Grad Abendtemperatur ist Lauftraining möglich, man schwitzt aber mehr, als man es je für möglich gehalten hätte und kommt vielleicht halb so weit wie unter europäischen Bedingungen.
  • Bangkok ist ausserhalb der wenigen Parks nicht der beste Ort zum Laufen und ausserhalb der Parks macht das auch niemand (ausser uns). Leider kommt man zu den Parks am besten mit dem Moped und das haben wir hier nicht.
  • Es hat trotzdem Spass gemacht und wurde bereits wiederholt.

Für Interessierte unsere Laufroute in Bangkok:

laufroute