Songkran สงกรานต์, das traditionelle Neujahrsfest der Thais, ist nicht irgendein Feiertag, sondern wird gleich an drei Tagen im April gefeiert. In Bangkok soll ein regelrechter Ausnahmezustand herrschen, sagte man uns. Kleinbusse für Ausflüge seien längst ausgebucht, Taxen nehmen erhöhte Preise und teilweise fahren auch die Fähren nicht mehr. And we? Wir sind seit zwei Tagen in der hektischen, brummenden und immer heißer werdenden Stadt und sehnen uns nach Ruhe. Der lange Flug und wenige Schlaf steckt uns scheinbar doch noch in den Knochen. Wie es der Zufall so will, befindet sich unser kleines, gemütliches Guesthouse mitten im Party-Zentrum. Was also tun?
Kurzentschlossen flüchten wir aufs Land ins 130 km entfernte Kanchanaburi, bevor die Feierlichkeiten beginnen. Gesagt getan, schippert uns am nächsten Morgen die Fähre über den Chao Phraya zur anderen Flussseite, da sich dort der Bahnhof Thonburi für die Züge gen Westen befindet. Hier heißt es erst einmal warten, denn die Waggons werden mit Wasserschlauch und Schrubber von außen auf Hochglanz gereinigt. Mit einer halben Stunde Verspätung fährt der Zug ab. Es besteht also kein Unterschied zur deutschen Bahn. Die dreistündige Zugfahrt in der sogenannten Holzklasseeine andere gibt es nicht und ist auch nicht nötigist recht angenehm: Durch die offenen Fenster kann der warme Fahrtwind die Schweißperlen auf der Stirn trocknen, vorausgesetzt man hat einen Sitzplatz am Fenster in Fahrtrichtung bekommen. Plötzlich tönen immer wieder die gleichen Worte durch den Zug, die wir nicht verstehen. Sven beginnt zu grinsen, da er eine Vorahnung hat. And really, mehrere Frauen verkaufen im Zug einige Leckereien. Wir schlagen zu und ergattern grünes und rotes Curry mit Reis im Bananenblatt. Kalt, sharp, delicious, zu wenig.

Angekommen in Kanchanaburi กาญจนบุรี
Manche kennen vielleicht den Ort wegen der Brücke über den River Kwai. Auf den ersten Blick ist es ein gemütlicher Ort am Fluss: niedrige, teilweise etwas windschiefe, alte Holzhäuser reihen sich entlang des Ufers auf. Dazwischen stehen hier und da ein paar goldene Tempel. Das Ganze ist in eine grüne Hügellandschaft gebettet. Überall entlang der Strecke leuchtet der „Goldregen“, der Nationalbaum Thailands, mit seinen knallgelben Blüten vor den dunklen, vorbeiziehenden Gewitterwolken.
Nach drei Stunden Fahrt trudelt der Zug endlich ein. Wir satteln auf und stapfen in der Mittagshitze durch fast menschenleere Straßen. Sind wir hier richtig? Ja sind wir. Die meisten Unterkünfte sind, wie so oft, von der eigentlichen Altstadt separiert und in unserem Fall entlang einer Straße am Fluss gebaut worden. Schwitzend gehen wir an einigen Bars und Restaurants vorbei, aus denen laute Pop/Rock/Reggae-Musik ertönt. Jede will die lauteste sein. Welch ein Schmaus für unsere Ohren! Das Bild erinnert an Phuket: Ältere Herren aus westlichen Ländern sitzen Bier trinkend mit stark geschminkten Thais in knappen Röckchen zusammen. Dies ist dann wohl das andere Kanchanaburi. Zwar nur 100 m entfernt von dem Trubel in einer Seitenstraße, aber dennoch fernab direkt am Fluss liegt glücklicherweise unsere Unterkunft.

Happy Songkran! Es ist der erste Feiertag. Was uns wohl erwarten wird? Traditionell wird an Songkran Wasser über die Hände von Buddha, Mönchen oder Familienmitgliedern geträufelt. In den letzten Jahren hat sich das zu einer Art Loveparade und Wasserschlacht entwickelt. Die genauen Auswirkungen sollten wir erst noch später erfahren. An den Straßen stehen von mittags bis abends überwiegend Kinder und Jugendliche, ausgestattet mit Wasserpistolen, Eimern und Wasserschläuchen, so auch in Kanchanaburi. Ihre Quelle sind große mit (Eis-)Wasser gefüllte Tonnen. Alles und jeder wird nass gemacht. Autos fahren ihre Scheiben herunter und schießen plötzlich los. Auch auf den vielen Rollern sitzen wie üblich drei bis vier Personen. Der einzige, der keine Wasserpistole in der Hand hält, ist der Fahrer. Der vermeintlich schlaue Tourist hingegen verstaut an Songkran seine Wertsachen in einen wasserdichten Sack und stapft schwitzend bei 35°C in seinem Regencape durch die Straßen. Beides ist eigentlich für die Monsunzeit gedacht. Auch die anschließende Fahrradtour entlang des Flusses hat am Ende nur ein Resultat: Genau, wir sind nass.

Wir fahren Mittwochabend am letzten Feiertag wieder nach Bangkok, da abends ganz sicher der ganze Spuk vorbei sein wird, so denken wir uns. Als wir von einem Stau in den nächsten kommen, wird schnell klar, das Fest ist noch nicht zu Ende. Augen zu und durch, so der GedankeOb es nun an dem Rucksack vorne, dem Rucksack hinten oder an den schwitzenden Gesichtern lag, wir wurden nicht nass. Fotos gibt es aus oben genannten Anlass von diesen Tagen leider nicht.

Conclusion: Songkran ist ein Fest zum mitmachen. Aber ein Tag reicht aus und lustig ist es allemal.