Eine weitere Landpartie steht an. Die Ruhe und Idylle von Pak Kret, einer Flussinsel nördlich Bangkoks, hat uns sehr gut gefallen. Südlich der Innenstadt entdecken wir auf unserem Stadtplan eine ähnliche Schlinge des Chao-Phraya-Flusses, die die Halbinsel Bang Krachao umschließt. Eine kurze Recherche ergibt, dass dort Mountain-Bike-Touren veranstaltet werden und auch vor Ort Fahrräder verliehen werden. Auf unserem hilfreichen Bangkok-Bus-Guide-Plan sehen wir, dass Bus 47 von der Khao-San-Road direkt zum Khlong Toei Port fährt, von wo aus Boote nach Bang Krachao übersetzen.

Leider ist die 47 in Bangkok keine der Buslinien, die regelmäßig verkehren. Alle anderen Linien sind bereits drei oder viermal vorbeigekommen, aber ein 47er lässt sich nur in Gegenrichtung blicken. Wir überlegen, einen anderen Bus zu nehmen und umzusteigen, aber dann hätten wir ja eine halbe Stunde umsonst gewartet. Und irgendwann muss schliesslich der 47er aus der Gegenrichtung auch wenden und bei uns ankommen. Nach 45 Minuten Wartezeit ist es dann soweit und wir juckeln durch dichten Verkehr vorbei am Siam Square und entlang der Rama IV Road zum Khlong Toei Port. Ganz in der Nähe befindet sich auch der Khlong Toei Fresh Market, einer Art Großmarkt für Gastronomen, den wir bereits besucht haben.

Das Hafenviertel hinterläßt nach den glitzernden Shopping-Malls der Innenstadt einen düsteren Eindruck und auch der größte Slum Bangkoks ist nicht weit entfernt. Von der Endhaltestelle der Linie 47 sind es nur wenige Schritte zu Fuß zum Chao Phraya. Entlang einer Tempelanlage laufen wir zur Anlegestelle, wo bereits ein kleines Longtailboot darauf wartet, uns für 10 Baht pro Person ans andere Flussufer zu schippern. Wir beobachten einige Frachtschiffe und müssen an Hamburg denken. War der Khlong Toei Port früher Thailands wichtigster Frachthafen, geht heute nahezu der gesamte Gütertransport zum Seehafen in Laem Chabang weit vor den Toren Bangkoks.

Die Überfahrt auf der Nussschale vom Moloch Bangkok in die ländliche Umgebung Bang Krachaos dauert nur wenige Minuten. Wir landen in einer anderen Welt – grün statt grau, Vogelgezwitscher statt Verkehrslärm. Ein blauer Eisvogel sitzt auf einem Zweig am Wasser, bunte Schmetterlinge flattern durch die Luft. Für 100 Baht (pro Tag) leihen wir uns gleich am Anlegesteg Fahrräder und strampeln los. Da unsere Mägen knurren, fahren wir zu einem so genannten Floating Market. Dort, so hoffen wir, werden wir etwas Leckeres zwischen die Kiemen kriegen. So ist es dann auch, in einer kleinen Garküche am Kanal verspeisen wir Hähnchen vom Grill und Papayasalat. ‚Floating‘ ist auf diesem Markt nicht viel, ausser einiger dieser „Küchen“ auf angetäuten Booten. Auf festem Boden jedoch durchstreifen wir den netten Markt mit einer Menge Lokalkolorit. Von Saatgut und Dünger über Kleidung und Schuhe bis zu Spareribs und knallbuntem Kuchen wird alles angeboten. Schließlich finden wir noch einen guten Kaffee (für Sven), bevor wir uns wieder auf die Räder schwingen.

Jetzt wird es spannend. Wir biegen von der Autostrasse ab und radeln auf schmalen erhöhten Betonwegen durch kleine Siedlungen, Landwirtschaft und Wald. Jederzeit ist unsere volle Aufmerksamkeit gefragt. Ein hektischer Schlenker und wir fänden uns einen Meter tiefer im Sumpf wieder. Ein Roller kommt uns entgegen, das wird eng! Wir drängen uns an einen Pfahl geklammert an den Wegesrand, nur Zentimeter vom Abgrund entfernt. Freundlich nickend passiert der Fahrer und wir können weiterfahren. Der nächste Roller bleibt stehen und lässt uns vorbeifahren, einige Male bleiben wir alle stehen und einigen uns. Die meisten Leute hier sind sehr freundlich und ein Lächeln liegt auf ihren Lippen. Wenn gerade kein Gegenverkehr kommt, ist außer Vogelgezwitscher, Froschquaken und dem leisen Rascheln der Blätter im Wind nichts zu hören. Wir bleiben stehen und lauschen in die Ruhe.

Durch einen schönen, teils naturbelassenen Park mit Seen, Pavillons und Holzbrücken fahren wir zurück zur Anlegestelle. Am Wegesrand stehen Info-Tafeln, die die örtliche Flora und Fauna erklären. Wir geben die Räder zurück, trinken noch eine Cola und besteigen die nächste Fähre. Dieses Mal ist es ein größeres Boot, das noch eine andere Anlegestelle auf Bang Krachao anfährt, bevor es wendet und die von der untergehenden Sonne beschienene Skyline Bangkoks ansteuert. Die Stadt hat uns zurück.

Bang Krachao

Was: Grüne Halbinsel südlich Bangkoks mit schmalen Radwegen, Floating Market und Sri Nakhon Khuean Khan Park

Anreise:
diverse Busverbindungen zum Khlong Toei Port, u. A.:

  • Bus 47 von Khao San Road
  • Bus 4 von Khlong Toei MRT oder Chinatown
  • Bus 72 von nahe Ekkamai BTS
  • Bus 162 von Siam BTS oder Chog Nongsi BTS

ca. 200 Meter Fussweg entlang eines Tempels zur Anlegestelle am Chao Phraya
von dort mit der Fähre für THB 10 / Person übersetzen nach Bang Krachao

Radverleih:

Direkt an der Anlegestelle auf Bang Krachao, pro Tag THB 100